Umgestaltung Saseler Markt: der Planungsprozess


Menschen brauchen Platz und Plätze brauchen Menschen, um lebendig zu sein.

Erst bauen wir den Platz, dann prägt er uns. Plätze inspirieren Bürger, sind die Bühne für Aktivitäten. 

Einleitung und Übersicht.
Wie in der Geschichte Sasels beschrieben, ist der Saseler Marktplatz einer der letzten gewachsenen Marktplätze Hamburgs, die noch existieren. Das Ensemble der umrahmenden historischen Backsteinbauten, die einen hohen architektonischen Reiz haben, prägen seit "-zig" Jahren den lange Zeit beliebten Ortskern. Er erinnert an Sasels Geschichte und bildet einen Identifikationspunkt für die Saseler Bürger. 

Neuere Entwicklungen Anfang der 70er Jahre, wie z.B. der Bau des Alster-Einkaufszentrums (AEZ), die Führung des "Ring 3" durch den Saseler Markt und die Veränderungen der Konsumgewohnheiten,  bedrohen dieses Juwel. Die Bedrohung wird verstärkt durch den Ausbau des "Ring 3"  und die Schließung der Bücherhalle. 2006 kommt dann noch die Erweiterung des Alstertal Einkaufszentrums (AEZ) hinzu. Dadurch fürchten viele Saseler Bürger und Gewerbetreibende um ihr "Dorf"  bzw. um ihre Existenz. Als Reaktion auf die deutlich artikulierte Unzufriedenheit und Unruhe beschließt die Bezirksversammlung als ersten Schritt des Planungsprozesses 2007 die Erstellung eines Gutachtens für ein Aufwertungskonzept. Was kann getan werden, um dieses Zentrum mit seinen unterschiedlichen Funktionen weiterhin attraktiv und konkurrenzfähig zu halten, mit mehr Aufenthaltsqualität und Anziehungskraft.   

 

Seit dem ersten Schritt ist viel Zeit vergangen. Es gab heiße Phasen mit großer Aktivität; es gab aber auch Streit und lange Phasen der Lähmung. Die Initiative "Für eine lebenswertes Sasel" (Ini FelS) hat den Planungsprozess aktiv mitgestaltet und immer wieder die Initiative ergriffen. 2019 soll nun endlich die Ausführungsplanung erfolgen und 2020 soll umgebaut werden.
Doch nun der Reihe nach. 

Den Planungsprozess habe ich als "Stück" (Stadteilgeschichte) in 5 Akten beschrieben:
1. Eine kleine Geschichte von der Planung
2. Eine kleine Geschichte vom großen Streit und mein Kommentar dazu
3. Ein kleiner Konsens
4. Platz und Plätze für Menschen - ein kleines Plädoyer
5. Klimamodellquartier - nur eine Exkurs?

Planungsprozess 1. Akt:

Eine kleine Geschichte

vom Planungsverlauf

Die Umgestaltungswünsche bestehen seit sehr langer Zeit.  

Schon in den 80er Jahren sorgen sich die Saseler um ihren Ortskern. Mit dem nahen Alstertal-Einkaufszentrum ist eine Konkurrenz erwachsen und der "Ring 3" zerschneidet den Saseler Markt. Nach erfolgreicher Begrenzung des "Ring 3" iniitert  der Verein "Rettet den Saseler Markt" einen Bürgerausschuss, in dem die Saseler Bürger ihren Ortskern mit viel Elan neu planen. Trotz  guter, detaillierter Ideen und Vorschläge fehlt dem Konzept eine breite Unterstützung, um verwirklicht zu werden, und der Verein wird 1999 aufgelöst.

Nach dem neuerlichen Ausbau des Ring 3 und der Erweiterung des Alstertal-Einkaufszentrums 2005/ 2006 wächst erneut die Sorge bei Bürgern und Geschäftsleuten um den Fortbestand des Saseler Nahversorgungszentrums. So beantragt die Initiative "Für ein lebenswertes Sasel" (Ini FelS) im Juni 2007 bei der Bezirksversammlung (BV) eine "städtebauliche Rahmenplanung" für den Saseler Markt.  Im August stellt der Heimatverein „Unser Sasel e.V.“ einen Antrag bei der BV für „Mehr Sicherheit für Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer".  


Als Reaktion auf die neuerliche Gefährdung des Nahversorgungszentrums beschließt die BV im Oktober 2007 die Beauftragung eines Gutachtens für die "Entwicklung eines Konzeptes zur Förderung der örtlichen Strukturen im Kernbereich Sasel (Saseler Markt und Umfeld)". Dies erfolgt im Rahmen des Fördersystems „Wachsende Stadt“. Die BV stellt dafür 30.000 € bereit. 


Die SaseIer Vereine und Institutionen wollen und sollen sich, so auch der politische Wille, an der Konzeptentwicklung beteiligen. Um sich besser in den Planungsprozess einbringen können, gründet die „Arbeitsgemeinschaft Saseler Vereine und Institutionen“ (Arge) 2007 das „Kommunale Forum Sasel“ (KFS), das gemeinsam mit der Bezirksverwaltung die „Runden Tische Sasel“ (RTS) veranstaltet, zu denen auch weitere Funktionsträger und interessierte Bürger eingeladen sind. Die Ini FelS ist zu dieser Zeit sowohl Mitglied der Arge als auch des KFS.

Nach intensiven Vorarbeiten und zahlreichen Gesprächen mit den Akteuren vor Ort stellen "Büro Düsterhöft und konsalt" ihr Gutachten „Entwicklungsperspektive Saseler Markt. Potenzial- und Entwicklungskonzept“ (GA 1) im November 2008 der Öffentlichkeit vor. Ein gründliches, umfassendes und ideenreiches Gutachten. Die Reaktionen sind sehr kontrovers. Die BV bewilligt weitere 60.000 € für ein zweites Gutachten zur Konkretisierung der Vorschläge.

Im September 2009 beantragt das Kommunale Forum Sasel unter Federführung der Ini FelS die Einrichtung eines „Klimamodellquartiers Saseler Markt“. Obwohl dieser Antrag auf einem Konsens über zahlreiche umweltrelevante Vorschläge zur Umgestaltung beruht, spielt er im weiteren Verlauf der weiteren Debatten offenbar keine Rolle mehr, leider. Wegen seiner Bedeutung und Konsensfähigkeit befasse ich mich noch einmal etwas eingehender mit dem Antrag in Teil 5.


In drei zusätzlichen Runden Tischen (2009 - 2010) und einer zweigeteilten öffentlichen Anhörung (2010/11) wird die Konkretisierung des Umbaus diskutiert. Hauptstreitpunkt ist die Anzahl der Stellplätze für Autos. 


2012 stellt "arbos" das Folgegutachten "Saseler Markt. Entwicklungsperspektive Promenade und Marktplatz" (GA 2) vor, das sich gegenüber dem ersten Gutachten auf den engeren Marktplatz begrenzt. Diese Reduktion ist für uns nicht nachvollziehbar, da
dringende verkehrliche Probleme der anliegenden Straßen und Knoten ausgeklammert und verschoben werden. Nach der öffentlichen Vorstellung des eher spärlichen Gutachtens, stellt die BV weitere 300.000 € bereit für den nächsten Schritt, die Ausführungsplanung. Wegen heftiger Streitigkeiten (siehe Teil 2) wird diese aber erst zwei Jahre später beauftragt, nachdem ein Konsens gefunden wurde (siehe Teil 3). Die Ini FelS bleibt aktiv und drängt auf Fortschritte im Verfahren. Ende 2017/ Anfang 2018 erhöht die Ini FelS den Druck auf Politik und Verwaltung. Die Ausführungsplanung wird 2018 ins Arbeitsprogramm aufgenommen. 

Planungsprozess 2. Akt:

Eine kleine Geschichte 
vom großen Streit
und mein Kommentar dazu

Heftigst gestritten wird über die Anzahl der Auto-Stellplätze auf dem Marktplatz.

Die eine Gruppe will einen möglichst autofreien Marktplatz für die Menschen und für mehr Lebenswert (u.a. Ini FelS), die andere Gruppe will möglichst viele Parkplätze   für´s Geschäft und für die automobile Bequemlichkeit (u.a. Gewerbetreibende).

Im ersten Gutachten (GA1, 2008)
ist im favorisierten Vorschlag der Marktplatz autofrei. Am Südrand sind 45 (9 x 5) Stellplätze vorgesehen. Das ist ein Minus von 67 Stellplätzen zur bisherigen Anzahl. Dafür soll aber die Anzahl der Stellplätze auf dem Parkplatz in der Kunaustraße von 48 auf 80 (+ 32) erhöht werden (Parkhaus) und auf dem Parkplatz Dweerblöcken  von 38 auf  70 (+ 32) (Palette).
Das wäre ein Verlust von 3 Stellplätzen im Vergleich vorher/nachher- nicht der Rede wert. Es zeigt sich bei eingehenderer Prüfung aber, dass die Erweiterungen in der Kunaustraße und Dweerblöcken offenbar nicht umsetzbar sind. Das gilt auch für einige der 45 Platz am Südrand. So ergibt sich ein Minus von bis zu 80 Plätzen durch den Umbau, völlig unannehmbar für die Stellplatz-Lobbyisten. Sie fordern den Erhalt der 60 Parkplätze auf der Marktfläche, auf die sich die Auseinandersetzung nun fokussiert:
Die einen, die die Autos vom Platz vertreiben wollen und die anderen, die keinen einzigen Stellplatz auf der Marktfläche opfern wollen. Beide Seiten stehen einander unversöhnlich gegenüber. Der Streit wird erbittert geführt und eskaliert.
U.a. wegen dieser Kontroverse schließt das KFS 2011 die Ini FelS von einer weiteren Mitarbeit in diesem Gremium aus.

Im 2. Gutachten (GA 2, 2012)
werden bezüglich der Stellplätze
3 Modelle vorgestellt:
1.  38 Stellplätze auf der Marktfläche (die Hälfte der zu verplanenden Fläche)
    und 26 Stellplätze an der Straße Saseler Markt (Süd), Bilanz 64 Stellplätze.
2.  38 + 42 Stellplätze auf der Marktfläche ( die gesamte zu verplanende Fläche)
    und 36 Stellplätze an der Straße Saseler Markt (Süd), Bilanz 116 Stellplätze.
3. keine Stellplätze auf der Marktfläche (die gesamte Fläche ist autofrei)
   und 27 Stellplätze an der Straße Saseler Markt (Süd), Bilanz 27 Stellplätze.

Die Gutachter erarbeiten keinen Kompromiss. Die Kontrahenten stehen sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber, eine Pattsituation, die den nächsten Planungsschritt lähmt bzw. unmöglich macht.

Mein Kommentar:
(Anmerkung 1: Ich war damals nicht bei dem Streit dabei. Anm. 2: Streitigkeiten um die Verteilung öffentlicher Flächen sind Bestandteil vieler Baumaßnahmen. Anm. 3: In meiner etwas ungewöhnlichen Argumentationslinie beschränke ich mich auf  wenige Hauptaspekte)

Was ist konstruktiv und problemlösend?
Sicher nicht, wenn wir uns an der Anzahl von Autostellplätzen festbeißen. Wir müssen zunehmend zur Kenntnis nehmen, dass das Auto nicht nur segensreich ist, sondern auch viele Probleme verursacht (Luftverschmutzung, Staus, zugeparkte öffentliche Plätze, Ressourcenverbrauch).
Und, dass es keinen Automatismus zwischen dem notwendigen Parkplatz vor der Ladentür und dem Geschäftserfolg gibt. Das belegen auch die vielen florierenden Fußgängerzonen und Einkaufspassagen. Und: mehr Parkplätze bedeuten mehr Autoverkehr.
Es ist an der Zeit, Lösungen nicht mehr vom Auto aus zu denken und zu suchen und alles autogerecht zu gestalten. Wir sollten, statt zu fragen, wie kann uns das Auto bei einem Anliegen hilfreich sein, fragen,
wie können wir unser Anliegen, z.B. den Transport, auch ohne Auto lösen?
(Anm. 4: Gudrun und ich haben seit 3 Jahren kein eigenes Auto mehr, ein Selbstversuch, und das geht bis auf einige Ausnahmen ganz gut)

Weiten wir also unseren Blick und überlegen, worum es uns eigentlich bei dem Stellplatzstreit geht und was erreicht werden soll? Die Erwartungen an den neu zu gestaltenden Ortskern sind hoch und vielfältig.

Der Platz gehört allen
und soll von allen zur Lebensgestaltung genutzt werden können. Dies ist beim Kampf für einen autofreien Marktplatz der Ausgangspunkt. Die Besetzung des Platzes mit parkenden Autos ist eine Anmaßung, behindert die Entfaltung der Menschen im öffentlichen Lebensraum und muss dringend begrenzt werden.

Bei dem Kampf um mehr Stellplätze geht es eigentlich um gute Geschäfte und bequemen Transport. Was also gehört zu guten Geschäften und wie können wir besonders den autofreien Transport attraktiver gestalten?

Gute Geschäfte erfordern eine Anpassung an neue Konsumgewohnheiten.
Neben den Discountern, Outlets, großen Einkaufszentren, dem Online-Handel und dem TV-shopping kämpfen die verbliebenen kleinen Einzelhandelsgeschäfte an Straßen und in Ortskernen ums Überleben. Zu guten Geschäften gehören viele Kunden bzw. viel Kaufkraft. Wie kann man also viele Menschen anlocken, zielstrebige Kunden und potentielle? Womit kann Sasel punkten, als Alternative zu den Großanbietern? Was können diese nicht bieten, was aber Menschen auch wichtig ist, wie  z.B. persönlicher Kontakt, umweltfreundliches Einkaufen im Grünen oder dörflicher Charakter?
Neben ökonomischen Faktoren, wie Angebotsvielfalt und Preis-Leistungs-Verhältnis, ist es so etwas wie Lebens- und Einkaufsgefühl, das bestimmt, wohin der Konsument geht.  Dazu gehören z.B. eine gute und persönliche Atmosphäre, Vertrauen und Vertrautheit, Sicherheit und Zufriedenheit, genießen können, freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter, serviceorientiert und problemlösend, gute Laune, sich kennen und sich interessieren, miteinander ins Gespräch kommen, Gefühl der Zugehörigkeit und Identifikation, Spaß haben, sehen und gesehen werden, ausruhen, verweilen, etwas erleben ... Aber auch Sasel als ein besonderes Dorf mit Geschichte und Kontinuität als Kontrapunkt zu einem anonymen beliebigen Massenbetrieb. Diese Qualitäten beschreiben die Chance für Sasel, Menschen anzuziehen, zu kommen, zu bleiben und mit einem guten Lebensgefühl ... auch zu konsumieren.

Beim bequemen Transport geht es um die Frage:
wie komme ich zum Markt und zurück und wie schaffe ich meine Einkäufe nach Hause, bequem, schnell, sicher?
Ausgangszahlen: gut 30 % der Haushalte in Wandsbek haben kein Auto, 2008 waren es 24 % der Marktplatzbesucher, die stets mit dem Auto kommen.
Um mehr Besucher für die Nutzung klimafreundlicher und gesunder Verkehrsmittel zu gewinnen, brauchen wir besonders im Ortszentrum einladende Fuß- und Radwege, breit und sicher, mit direkter Wegführung und bevorzugten Ampelschaltungen, so dass sich die Wegzeiten verkürzen; wir brauchen Schließfächer für die Einkäufe, Lieferservice/ Kuriere, engere Taktung der Buslinie 24, Busshuttle oder Sammeltaxi von Sasel-Süd und -Nord, Verleih von Lastenrädern, Radanhängern (das urige Fahrrad-Dorf) oder  Einkaufswagen/ Bollerwagen ... Als Slogan könnte etwa
Tran-Sport genommen werden, gefolgt von kurzen Ergänzungen, wie z.B.  ich bewege mich/ Bewegung ist gesund / für Umwelt- und Klimaschutz/ macht Spaß ...

Ein  grünes, lebendiges und blühendes Saseler "Dorf" kommt allen zu Gute
Dafür sollte der Saseler Markt mit seinem ganz spezifischen Image punkten, das ein großes Einkaufzentrum nie bieten kann, mit einem Lebens-, Erlebnis und Einkaufsgefühl der besonderen ART, mit einer Einladung zum Leben im Ortskern und auf dem Platz. Dann gewinnt der Saseler Markt mehr Besucher und Kaufkraft dazu als er durch weniger Parkplätze verliert. 


Planungsprozess 3. Akt:

Ein kleiner Konsens

Nach Vorgesprächen u.a. mit der Ini FelS laden SPD/ GRÜNE 2014 die beteiligten Akteure/ Kontrahenten zu einem Konsensgespräch.

Es werden 3 Vorschläge präsentiert. Nach langer, heftiger Diskussion wird der Kompromissvorschlag von SPD/ GRÜNE einstimmig! angenommen und damit zum Konsens. Der Konsens ergibt sich aus den Modellen 1 und 2 von arbos und nimmt die Mitte der Gesamtzahl von Stellplätzen: 90 (46 Stellplätze auf dem Marktplatz und 44 (19 + 9 + 16) an der Straße Saseler Markt (Süd)). Maßgeblich für den Flächenanteil der Stellplätze ist die Stellplatzbreite für KFZ nach der  aktuellen Verordnung für Stellplätze vom 17.01.2012.

Die Ini FelS stimmt diesem Vorschlag nur zu, um die Umgestaltung nicht länger zu blockieren. Sie hat große Bedenken und will die weitere Planung kritisch begleiten.
Die gesamte Stellplatzfläche darf auf keinen Fall vergrößert werden, indem die einzelnen Stellplätze vergrößert werden.

Der Antrag von SPD/ GRÜNE, auf der Grundlage des Konsens mit der Ausführungsplanung zu starten, wird von der Bezirksversammlung beschlossen (Drucksachen-Nr.: XIX-5973) 

Für den weiteren Planungsfortschritt halte ich es für unabdingbar, dass dieser Konsens verbindlich ist und nicht daran gerüttelt wird. Eine neue Diskussion um die Flächenverteilung würde die gesamte Umgestaltung in Frage stellen.

Planungsprozess 4. Akt:

Platz und Plätze für Menschen.

Ein kleines Plädoyer.

Menschen brauchen Platz und Plätze brauchen Menschen, um lebendig zu sein.

Erst bauen wir den Platz, dann prägt er uns. 
Der Architekt Jan Gehl, der sich mit der Umgestaltung Kopenhagens einen Namen gemacht hat, plädiert in seinem gleichnamigen Buch für "Städte für Menschen". Seine Gedanken und Erfahrungen habe ich aufgenommen und sehr komprimiert auf die Umgestaltung des Saseler Marktplatzes bezogen. Der Mensch wird hier zum Maß der Dinge, der Schlüssel für Erlebnis- und Versorgungsmöglichkeiten, die ihn anlocken zu kommen und zu bleiben. 
 

Um möglichst viele Bedürfnisse wohnortnah befriedigen zu Können,
im Stadtteil, im Ortszentrum, dazu brauchen die Menschen:
-  Freiräume und eine gute Infrastruktur für notwendige Aktivitäten
    (einkaufen, sich versorgen, arbeiten, zur Schule, in die Kita gehen ...)
-  vielfältige Angebote für freiwillige Aktivitäten
    (sich erholen, die Zeit vertreiben, sich bewegen, Sport treiben, genießen, sich 
    aufzuhalten ...),
-  lebendige Orte für soziale Aktivitäten
    (sich treffen, begegnen, austauschen ...).
-   Die Menschen sollen gesund, sicher und nachhaltig leben können. 
     Dazu gehören auch bequeme und sichere Fuß- und Radwege und gut 
     erreichbarer ÖPN-Verkehr. 

Aktuell gibt es in Hamburg und in Wandsbek zahlreiche Initiativen und Aktionen 
zur Erhöhung der Aufenthalts- Erlebnis- und Lebensqualität von öffentlichen Räumen, Ortskernen und Plätzen. Darin spiegelt sich ein Umdenken von Stadt- und Verkehrsplanern und Politikern wieder, u.a. auch bei der Verkehrs- und Quartiersentwicklung. Die Gründe für das Umdenken liegen in zahlreichen problematischen Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte, wie die Luftverschmutzung mit ihrer Gesundheitsgefährdung und der Klimabelastung, der Lärmbelästigung durch den Auto- und Luftverkehr und dem unersättlichen Flächenbedarf des automobilen Individualverkehrs. Auf Grund der negativen Auswirkungen ist die autogerechte Stadt nicht mehr zukunftsfähig. Es geht darum, die öffentlichen Räume, Ortskerne und Plätze wieder den Menschen zurück zu geben. Mit den Worten „Hier wachsen Lebensräume, in denen sich Menschen begegnen können, die zum Verweilen, Ausruhen und Innehalten einladen“ kommentiert Hamburgs Stadtentwicklungs-Senatorin Stapelfeld (2018) die geplante Sanierung von 13 öffentlichen Plätzen, mit der 2019 begonnen werden soll. Der Saseler Marktplatz gehört dazu. (siehe Netzwerk/ Sasel/ städtebauliche Konzepte und Pläne)


Wir Saseler freuen uns:

endlich, nach über zehnjährigem Ringen soll die Ausführungsplanung für den Saseler Markt beginnen. Eine Chance für eine lebenswertere Zukunft eines historischen, grünen Nahversorgungszentrums. Durch die von der Bezirksversammlung beauftragten Gutachten von 2008 und 2012 und dem verbindlichen Konsens von 2014 ist der Rahmen vorgegeben, der noch genug Spielraum lässt für eine attraktive, lebendige und lebenswerte Gestaltung des Marktplatzes.

Leider wurde die Umgestaltung des Ortskerns im arbos-Gutachten (2012) begrenzt auf den engeren Marktplatz und die Straße und Gebäude am südlichen Rand. Dadurch wird die dringend notwendige Lösung erheblicher verkehrlicher Probleme der anderen anliegenden Straßen und Knoten ausgeklammert. Ebenso entfallen weitere Überlegungen zur Integration des gesamten Ortskerns und die Verbindung zum Saseler Park und Saselhaus, wie sie das Gutachten von "Büro Düsterhöft und konsalt" (2008) anregt. Und es fehlt ein Nahmobilitätskonzept, das unbedingt zur beabsichtigten Stärkung des Nahversorgungszentrums gehört. Wir von der Ini FelS werden die Lösung diese verkehrlichen Probleme weiter bei Politik und Verwaltung anmahnen.

Wir ("Ini Fels") setzen uns ein für einen lebendigen grünen Marktplatz mit viel Anziehungskraft, wohin die Menschen gern kommen, um sich zu treffen, sich auszutauschen, zu amüsieren und zu entspannen. Wo sich das Dorfleben positiv entfalten kann. Der Saseler Markt soll menschlicher werden, ein Platz für alle Menschen. Dieser Gedanke leitet unsere Vorstellungen, die auf der Unterseite "Umbauvorschläge" aufgelistet sind. Grundlage dafür ist der Konsens von 2014, der für uns verbindlich und nicht erneut verhandelbar ist.

Erst bauen wir den Platz, dann prägt er uns. Plätze inspirieren Bürger, sind die Bühne für Aktivitäten.  

Planungsprozess 5. Akt:

Klimamodellquartier -

nur ein Exkurs?

 Auf Initiative der Ini FelS stellte das Kommunale Forum Sasel 2009 einen Antrag für ein "Klimamodellquartier Saseler Markt". Im Rahmen des Klimaschutzprogramms der Stadt sollte der Saseler Markt zu einem ersten Klimamodellquartier in Hamburg entwickelt werden. Bedauerlicherweise scheint dieser Antrag ohne große Beachtung ad Acta gelegt worden zu sein. 

Doch der notwendige Klimaschutz ist aktueller denn je. Neben den Anstrengungen international, national und regional, die allesamt unzureichend sind, stellt sich die Frage nach dem Klimaschutz auch im lokalen und persönlichen Bereich: was können wir in Sasel und was kann ich persönlich dazu beitragen?

Genau deshalb greife ich die Idee vom "Klimamodellquartier Saseler Markt" wieder auf. Und es gibt noch einen zweiten Grund: Der Antrag des Kommunalen Forums Sasel enthält viele Vorschläge, die noch aktuell sind, und die damals im Konsens aller im Forum vertretenen Organisationen (Bürgerverein Sasel-Poppenbüttel, Evang. Kirchengemeinde in Sasel, Ini FelS, IWG-Geschäftsleute für Sasel, Unser Sasel e.V. Heimatverein für Sasel und Ökonomischer Quartiersmanager) gemacht wurden.

Von den Vorschlägen des Antrags, der sich auf den gesamten Ortskern bezieht, möchte ich zur Belebung der Diskussion einige hier erwähnen:

+ Kurzfahrten mit dem PKW reduzieren 
+ Fahrradverkehr ausbauen
+ Öffentlichen Nahverkehr stärken (ganztägiger 10-Minutentakt der Buslinie 24,   
    Busanbindung von Sasel-Süd an den Saseler Markt)
+ gefährliche Straßeneinmündungen entschärfen (sicher umbauen: Kunaustraße, 
    Saseler Parkweg und Stratenbarg)
+ Tempo 30 km/h auf der Hauptstraße (Stadtbahnstraße von der Kreuzung Saseler 
    Chaussee über Saseler Markt bis zum Ende der Geschäftszeilen im Waldweg)
+ einen Aktionsplan zur Lärmminderung für Sasel und seine Verkehrswege erstellen
+ möglichst viel Grün rund um den Marktplatz und entlang der Verkehrswege
+ Erhalt bzw. Ersatz der großen Bäume/ Ruhe- und Verweilzonen unterschiedlicher Art
    (z.B. Bänke, Beete, Wasserspiele, Beach) rund um den Marktplatz
+ Fassadenbegrünungen
+ jeder Neubau (z.B. das Mehrgenerationen- und Parkhaus westlich der Post, Solarcafe
   und WC, Parkpalette Dweerblöcken) soll nach strengen ökologischen Regeln erfolgen. + Alle Maßnahmen sollen dazu dienen, den Marktplatz als Gesamtheit zu empfinden
    und als optische Einheit zu sehen.

Ich würde mich freuen, wenn die Idee vom Klimamodellquartier im Rahmen der Diskussion über die Umgestaltung das Saseler Marktes wieder auflebt oder zumindest berücksichtigt wird.