Saseler Markt - ein Dorf für Menschen - mit Zukunft

Sasel und sein Marktplatz: Geschichte und Umgestaltung.

Ein historisch gewachsenes Nahversorgungszentrum wird umgebaut. Für alle eine Chance für eine lebenswertere Zukunft: menschlich, lebendig, einladend, kommunikativ, mobil, sauber, leise, nachhaltig.


Auf meiner Website geht es mir einmal darum, die Aktivitäten der Initiative "Für ein lebenswertes Sasel" (Ini FelS) bekannt zu machen.

Die Geschichte überspringen und gleich 

Und zum anderen darum, das aktuelle und sehr umfangreiche Thema, die Umgestaltung des Saseler Marktes, zusammenfassend zu beleuchten.
Ein Planungsprozess, der nun schon über zehn Jahre dauert. Am Ende stelle ich eine Liste mit Umgestaltungsvorschlägen der "Ini FelS" vor. Doch am Anfang sei ein kurzer Blick in die Geschichte Sasels erlaubt, vom Dorf zum Stadtteil.


Die Geschichte überspringen und gleich

Sasel, vom Dorf 

zum modernen Stadtteil

Seit der ersten Besiedlung sind gut 700 Jahre vergangen. Inzwischen ist Sasel ein lebendiger Stadtteil Hamburgs von der Größe einer Kleinstadt, ein  Nahversorgungszentrum mit vielen Vereinen und Institutionen, die zahlreiche kulturelle und sportliche Veranstaltungen anbieten (siehe dazu www.sasel.de). Heute noch sagen die alten Saseler "Ich gehe ins Dorf", wenn sie in den historisch gewachsenen Ortskern wollen. 


Vor 100 Jahren hatte Sasel 600 Einwohner, heute fast 24.000

Die erste urkundliche Erwähnung von Sasel von 1296 deutet auf eine alte Sachsenansiedlung hin. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Ansiedlung zu einem kleinen Dorf mit bäuerlichen Besitzungen, die um einen größeren Dorfplatz, dem sog. Anger, gruppiert waren. Dieses dörfliche Leben prägte Sasel bis zum Ende des ersten Weltkrieges. 1919 lebten 604 Menschen in Sasel.

Die Siedlungsbewegung, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts begann mit der Gründung von Schrebergärten, die den Arbeitern und Kleinbürgern der Städte Bewegung an frischer Luft und die Selbsterzeugung von Obst und Gemüse ermöglichen sollten, erreichte Sasel gleich nach dem ersten Weltkrieg. Durch den Krieg hatte sich die Wohnungssituation auch in Hamburg immer mehr verschlechtert.

Getrieben u.a. von der Sehnsucht nach ländlichem Leben und der "heilen Welt" wurden auch in Sasel Siedlungen gegründet. 1919 hatte z.B. der Eigenheim-Siedlungssparverein Hamburg unter Führung des Vorsitzenden Julius Gilcher das Restgut Sasel erworben, und 1920 an den mittlerweile entstandenen Siedlungsverein Sasel e.V. übertragen. In unmittelbarer Nachbarschaft wurden in den 20 er Jahren etliche weitere Siedlungen gebaut, z.B. "Kriegskameradschaft" (Saselbek), "Perlberggenossenschaft", Pfeilshofsiedlung und Saselhorst, denen noch weitere folgten. Bis 1925 hatten sich 1883 Menschen in Sasel angesiedelt.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Sasel durch weiteren rasanten Zuzug von Siedlern und Geschäftsleuten zu einer stattlichen Siedlung. Der Dorfanger wurde Ende der 20er Jahre zu einem großzügigen Marktplatz umgestaltet, der bis heute seine ursprüngliche Form beibehalten hat. Die weitere Bebauung in den 20er und 30er Jahren im einheitlichen Klinkerstil führte dazu, dass Sasels Ortsmittelpunkt sich zu einem ansprechenden Geschäftszentrum entwickelte.

1935 zog mein Vater mit seinen Eltern und Geschwistern nach Sasel. Mein Großvater, der Maurermeister war, hatte zuvor für seine Familie und sich ein Siedlerhaus gebaut. In diesem Haus bin ich aufgewachsen und  wohne seit fast 40 Jahren wieder darin.

Im Zuge der Gebietsreform von 1938, die im Groß-Hamburg-Gesetz geregelt wurde, erhielt die selbständige preußische Gemeinde Sasel den Status eines Hamburger Stadtteils. Bis dahin hatte sich in gut 10 Jahren die Bevölkerung Sasels mit nun etwa   6. 000 Einwohnern verdreifacht!

Nach dem 2. Weltkrieg 1945 wurde die Einwohnerzahl sogar schon auf 14.000 geschätzt, mehr als doppelt so viele wie 1937. U.a. waren viele Ausgebombte in ihre Schrebergärten gezogen. 1985 zählte Sasel dann fast 20.000 Einwohner (A. Rosenfeld: Sasel. Ein Stadtteil hat Geschichte. Hamburg 1991).

In den 70er Jahre erwächst mit dem Alster-Einkaufszentrum (AEZ) in Poppenbüttel eine Konkurrenz und der "Ring 3", eine mehrspurige Schnellstraße, soll durch Sasel geführt werden. Dies bedeutet eine Zerschneidung des gemütlichen Ortskerns, der eine Einheit bildet und eine Verschlechterung der Attraktivität und Lebensqualität. Die Saseler wehren sich, organisieren sich im Verein "Rettet den Saseler Markt" und können erreichen, dass alte Gebäude erhalten blieben, der "Ring 3" vor dem Markt endet und die Straßen schmalspuriger als zunächst geplant erstellt werden. 2005 soll der "Ring 3" ausgebaut werden. Wieder leisten die Saseler Widerstand, diesmal organisiert durch die Initiative "Für ein lebenswertes Sasel".

Bis heute ist der Saseler Marktplatz, mit seinem Ensemble der noch verbliebenen umrahmenden alten Backsteinbauten, von hohem architektonischen Reiz und prägt den Ortskern. Dazu gehört neben den geschützten Gebäuden der Post und der ehemaligen Schule auch das mitten auf dem Platz stehende Gebäude des ehemaligen Gemeindehauses (im Volksmund "Rathaus" genannt) von 1927, heute Restaurant "Forum Sasel". Auf diesem wahrscheinlich letzten gewachsenen Marktplatz in Hamburg spürt man die Wandlung vom beschaulichen Bauerndorf zu einem dicht bevölkerten Vorort von Hamburg. Es gilt, diese historisch bedeutsame städtebauliche Einheit zu bewahren, um an die Geschichte des Stadtteils Sasel und seines Ortsmittelpunktes zu erinnern und als Identifikationspunkt und Nahversorgungszentrum für die Saseler weiterhin zu erhalten.

Auf dieser Grundlage soll der Ortskern attraktiver und konkurrenzfähiger gemacht werden. Dazu mehr in den Abschnitten  "Planungsprozess" und "Umbauvorschläge" für den neuen Marktplatz. Am 31.12.2017 sind in Sasel 23.647 Einwohner gemeldet.